Auf zwei Rädern ins Büro

Niedrige Unterhaltskosten, keine Parkplatz- oder Garagensorgen und Mobilität zu geringen Kosten. Dies sind lediglich einige Gründe, weshalb der Motorroller sich zu einem der Trendprodukte des Jahres entwickelt hat und ein nicht für möglich gehaltenes Comeback feiert.

So ist die Zahl der Neuzulassungen seit 2004 um über 60 Prozent nach oben geschnellt – alleine im letzten Jahr um stolze 19 Prozent. Hingegen sank der Anteil der im gleichen Zeitraum neu zugelassenen Motorräder immer weiter. Fazit: Während sich das Motorrad immer mehr zu einem reinen Sportgerät reduziert, avancieren Motorroller, welche übrigens vermehrt auch von Frauen gefahren werden, zum “Auto auf zwei Rädern.”

Der Boom rund um das Trendprodukt Motorroller hat mehrere Ursachen:

In Wendigkeit und Agilität ist das Zweirad bei steigender Verkehrsdichte unschlagbar, Park- und Abstellplätze sind schnell gefunden. Gerade in Großstädten stellt ein Roller damit eine echte Alternative zu den öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie Bus, S-Bahn oder U-Bahn dar, noch dazu weil man durch die Unabhängigkeit von Fahrplänen und Haltestellen ein Stück Individualität für sich selbst zurückgewinnen kann.

Aber auch auf dem Lande wird eindeutig verstärkt Roller gefahren, wenn es hier natürlich vor allem kürzere Strecken sind, die auf dem Zweirad zurückgelegt werden. Nur wenige Familien können sich bei den ständig steigenden Kosten für Sprit, Reparaturen, Versicherung und Steuern einen Zweitwagen leisten. Mit dem eigenen Motorroller kann die Ehefrau jedoch schnell und kostengünstig den täglichen Weg zum Arbeitsplatz zurücklegen, die Tochter in die Schule fahren oder der Herr Sohnemann zum Fußballtraining.

Ein weiterer Megatrend, der zu der riesigen Beliebtheit der kleinen Flitzer in Deutschland einen Gutteil beigetragen hat, ist im steigenden Umweltbewusstsein zu sehen. Einerseits ist der Verbrauch eines Rollers am kostbaren und wohl bald endenden Rohöl relativ gering und andererseits sind die marginalen Mengen an ausgestoßenen Schadstoffen im Vergleich zu einem PKW durchaus dazu angetan, dem Besitzer des Fahrzeuges ein rundherum gutes Umweltgewissen zu verschaffen.

Zuerst erkannt und marketingtechnisch am besten begleitet wurde die neue Nachfrage nach Motorrollern von dem italienischen Hersteller Piaggio, der wie einst in den Fünfziger- und Sechzigerjahren mit seiner guten alten Vespa und einigen anderen Modellen bei weitem die Spitze hält. An Boden gewinnen jedoch die Motorroller aus Fernost. Neben dem Honda SH300 und den von Suzuki gebauten Burgman-Modellen 400 und 650, gewinnen – man möchte fast sagen: selbstverständlich – chinesische Erzeugnisse, wie der Lifan Traveller 125, die Zweiräder von Hyosung aus Korea und die taiwanesische Marke Kymco ständig und massiv an Marktanteilen.

Die ursprünglich in München entwickelte, aber leider nicht weiter verfolgte Idee, einen Motorroller mit Dach in die Manege zu schicken, wird inzwischen von anderen aufgegriffen: Peugeot hat den BMW C1 mit Piaggios MP3 zu einem originellen Roller-Dreirad mit Dach gekreuzt und Adiva bietet mittlerweile sogar ein Modell mit einem Klappdach ähnlich eines Caprio-Coupes an.

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